PROJEKTE IN ARBEIT

Mein nächstes Projekt wird blutig, düster und dunkel. Es wird im Genre Dark Fantasy angesiedelt sein.

Mehr Informationen folgen, sobald sich das Projekt entwickelt.

Vorraussichtliche Veröffentlichung 2019/2020


TEXTSCHNIPSEL

   „Reena…“ Die sanfte Stimme so nah an ihrem Ohr ließ sie erschaudern. Sie schreckte zusammen, riss die Augen auf und starrte in einen wolkenverhangenen Himmel. Mächtige Fichten ragten bedrohlich wie schwarze Dolche in die Nacht hinein. Von der Dunkelheit des Firmaments rieselten winzige Schneeflocken hinab, bedeckten, was sie berührten, mit einem zarten, weißen Frost. Das fahle Mondlicht verlieh dem Raureif auf Wurzeln und Erde einen geisterhaften Schimmer und Reenas Atem verflüchtigte sich in nebeligen Schwaden.

   Verwirrt wandte sie sich um. Sie war allein, mit nicht mehr bekleidet als ihrer Haut, auf der sich jedes Haar tapfer gegen die Kälte erhob. Ihre Füße ließen den Schnee unter ihren nackten Sohlen schmelzen, doch Reena konnte keine Spuren ausmachen, die sie zu diesem seltsam unwirklichen Ort geführt hatten. Es schien so, als hätte sie schon immer oder wenigstens eine lange Zeit unbewegt auf dieser Lichtung verharrt.

   Von Westen her ging ein Wind durch die Fichten, ließ ihre schneebedeckten Zweige zittern und wirbelte einen weißen Hauch von Eiskristallen durch die Luft. Er trieb in Reenas Richtung und mit ihm auch leise Stimmen.

   Sie hörte ihren Namen. Immer wieder. Der Wind und die Bäume säuselten ihn in die Nacht. Flüstern und Wehklagen tönte aus dem schwarzen Unterholz. Als Reena den nach ihr fordernden Stimmen folgen wollte, erspähte sie zu ihrem Schrecken im Schutz der verdorrten Äste die Schatten von mehreren Gestalten. Wie aufgereihte Puppen standen sie neben den Fichtenstämmen und starrten zu ihr herüber.

   Reena spürte, wie sich ihr Herzschlag bei dem Anblick der Schattenwesen beschleunigte. Ein tiefsitzender Instinkt befahl ihr, vor diesen düsteren Erscheinungen zu fliehen, bevor diese ihre starren Reihen verlassen und sich aus dem Dunkeln auf sie stürzen konnten. Doch wie bei einem Rudel wilder Hunde würde eine plötzliche Flucht womöglich erst die ungeteilte Aufmerksamkeit der Schattengestalten auf sie lenken.

   Also starrte Reena regungslos zurück, hoffte inständig, der Mond möge aus den Wolken hervorkommen und die Schatten als Illusionen ihres verängstigten Geistes entlarven. Aber je genauer sie hinsah, desto deutlicher erkannte sie menschliche Züge in den geisterhaften Schemen.

   Sie sah den toten Junkie, dessen eingedrückter Kopf rot und fleischig wie eine aufgeplatzte Pflaume auf seinem Hals saß. In einem anderen Schatten erkannte sie die ausgemergelte Gestalt einer sterbenskranken Frau, die sie einst als motivierte Lehrerin kennengelernt hatte. Doch vor Jahren schon hatte der Krebs deren junge Knochen zerfressen und sie qualvoll aus dem Leben gerafft.

   Je weiter sie den Blick schweifen ließ, desto klarer wurde Reena, dass sie jedes der Gesichter kannte, die sie so anklagend anstierten. Und plötzlich spürte sie ein Gefühl in sich aufwallen, das sie nicht länger unterdrücken konnte. Wie ein in finsterer Nacht entzündetes Feuer schlugen Flammen der Angst in ihrer Brust empor und ließen ihren Körper in der Winterkälte zittern.

   »Ihr seid tot, ihr seid alle tot …«, stieß sie flüsterleise hervor. Aber ihre zerbrechlichen Worte hinderten die Toten nicht daran, sie weiterhin mit strafenden Blicken zu taxieren.

[...]